Der gefühlten Gedanken Überdruss
Donnerstag 8 Apr, 2010
Hier ein Beitrag, den ich in einer Online-Zeitschrift zu dem Thema: “Lebensbewältigung – wie soll ich mich in dieser Welt zurechtfinden?” leistete.
Als ich gebeten wurde, mir über das Thema dieses Artikels Gedanken zu machen, rollte sofort eine Gedankenlawine durch meinen Kopf, die alles mitriss. Ich möchte versuchen sie an meinen wirren Gedanken teilhaben zu lassen und zitiere zum besseren Verständnis mit Satzzeichen:
„Worüber soll ich da bloß schreiben? Über die Ungerechtigkeit in der Welt, die einem schon an der Bushaltestelle begegnet und, die bis zu der Entscheidung über Leben oder Sterben reicht? Ach, das will doch niemand lesen, viel zu plump. Oder besser über die immer größere Individualisierungstendenz in unserer Gesellschaft, über die „Ego-Mania“, die dafür verantwortlich ist, dass niemand den Ungerechtigkeiten entgegentritt? Und da wäre genauso der Klimawandel, das zugrunde gehende ökologische Gleichgewicht unserer Welt. DAS aufzuhalten sollte doch eigentlich Massen mobilisieren — oder etwa nicht? Warum sitz´ ich dann hier an meinem Schreibtisch und sinniere über Sinn oder Unsinn?
Oder noch besser: etwas ganz Aktuelles: Die Bildungsmisere an den Unis. Wie kann man die Studenten aus ihrer Unmündigkeit befreien? Das würde mich auch betreffen.
Ich könnte natürlich auch darüber schreiben, dass ich jedes Mal ewig brauche, um mich für eine Zahnpasta zu entscheiden, weil mich die unüberschaubaren Supermarktregale unweigerlich zu der Frage führen, wer diese abartige Auswahl braucht?
Ich könnte schreiben, viele Seiten sogar, über diese unsere Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, die nur scheinhaft und oberflächlich eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten ist.
Ach Mensch, soll ich überhaupt etwas schreiben? Jetzt?? Ich könnte doch auch den Roman lesen, der seit Weihnachten wartet, oder die Japan-Doku auf ARTE sehen oder sollte ich gar einen Spaziergang machen, bei dem ich mir noch einmal in Ruhe überleg´, worüber ich schreiben könnte!??“
STOP!
Ich beschließe gleich zu schreiben: Darüber, dass die Welt es mir nicht erlaubt abzuschalten, zu ignorieren und innezuhalten. Egal, wie oft ich auch Bilder von hungernden, aids-kranken Kindern, vom Krieg in „Irgendwo“ und von schmelzenden Polen im „Nirgendwo“ sehe: Es lässt mich nicht kalt, egal wie selbstverständlich diese Erscheinungen für viele geworden sind.
An schlechten Tagen weine ich zur Tagesschau. Oder sind es meine guten Tage? Ich weine über das, was mir da präsentiert wird, über mein Gefühl der Machtlosigkeit und darüber, dass ich mir am nächsten Tag wohl lieber keine Nachrichten ansehen werde.
Meine geheime Hoffnung ist, dass all die Gleichgesinnten und „Gleich-Sensiblen“ eines nahen oder fernen Frühlingsmorgens erwachen, entschlossen aufstehen, auf die Straße treten und unserer hilfebedürftigen Welt zurufen: „So geht es nicht weiter, wir kommen und retten dich!!!“ Und alle, auch die weniger Leidenden werden mobilisiert, weil sie erkennen, dass wir für eine gute Sache einstehen, für die wichtigste der Menschheit.
Das berühmte Tüpfelchen auf dem i
Donnerstag 21 Mai, 2009

Das berühmte Tüpfelchen auf dem i …
…oder: Wie Erfolg zum Ende führt.
Jemand hat Erfolg. Ich bin es nicht. Wenn der Erfolg genau denjenigen heimsucht, den man eigentlich liebt, dann wird alles kompliziert. Eine Geschichte über Neid, Liebe und den Erfolg einer Zerrissenheit.
Er hat genau das, wonach ich seit Monaten suche. Sein Leben verläuft in geregelten Bahnen, meines dagegen ist täglich neu verwirrt. Ich bin täglich neu verwirrt. Vor ihm liegt eine sichere Zukunft, aber meine Pläne reichen nicht weiter als ein paar Stunden. Natürlich freue ich mich für ihn. Das macht man ja so, oder? Man freut sich für seine Lieben und gönnt ihnen das Beste vom Besten. Wenn man dabei selbst auf der Strecke bleibt ist das jedoch nicht einfach.
Geschichten und Anekdoten über das neue Highlight in seinem Leben. Neue Menschen, die nur er kennen lernen darf. Aufgaben, die er erledigen darf. Stunden jeden Tag, die er erleben darf. Pflichten, die er erfüllen muss. Probleme, die er gerne lösen will. Dagegen meine Einsamkeit, Langeweile, Hoffnungslosigkeit und Ziellosigkeit. Ich war nicht neidisch oder eifersüchtig. Ich war beides. Und das im höchsten Maße. Wie kann jemandem das Glück einfach so in den Schoß fallen und ich musste Tag für Tag dafür kämpfen? Wie konnte er nach einer winzigen Bemühung bekommen was er wollte und ich tappte noch immer im Dunkeln?
Nach den ersten Wochen wollte ich keine der Geschichten mehr hören. Ich fragte nicht mehr nach, wenn mir ein Name aus einer Anekdote fremd war und ich schreib keine Hab-einen-schönen-Tag-SMS mehr. Ich zeigte keinerlei Interesse an dem, was er Tag für Tag mindestens 8 Stunden lang erlebte. Ich fragte nicht danach und ich unterbrach ihn, wenn er begann zu erzählen. Im Gegenzug wollte ich aber auch nichts von meinem langweiligen und trostlosen Alltag erzählen. Im Vergleich zu seinem Leben sah es so nichtig aus. Ich traute mich nicht vor Mitternacht zu gähnen, denn ich hatte ja lange nicht so einen anstrengenden Tag gehabt wie er. Ich hatte diese Verpflichtungen nicht. Ich hatte aber auch nicht diese Zukunft vor mir. Keine Sicherheit.
Wochenlang würgte ich Erzählungen ab, spielte seine Karriere herunter und verschwieg meine knittrigen Bewerbungen, die mit einem Absageschreiben in den Briefkasten gestopft waren. Irgendwann redeten wir dann kaum noch. Bedrückendes Schweigen am Telefon, banale Gespräche ohne Blickkontakt, wenn wir zusammen waren. Worüber sollten wir auch reden? Ich erlebte so gut wie nichts und wollte nicht hören, was er erlebt hatte. Da blieb nicht viel übrig…
Eines Tages kam dann der erwartete Vorwurf. Ich würde mich nicht für das interessieren, was er machte. Ich wäre verschlossen und nur noch schlecht gelaunt. Das wäre der passende Zeitpunkt gewesen ihm von meiner inneren Zerrissenheit zu erzählen. Mein grenzenloser Neid, der mir die Freude über seinen Erfolg absolut verbaute. Ich hätte ihm davon erzählen könne, dass ich Zukunftsängste und finanzielle Probleme hatte. Ich hätte und hätte und hätte…
Leider war ich dazu nicht in der Lage. Eifersucht und Neid sind Gefühle und Zustände, die sich extrem schnell auf allerlei Lebensbereiche ausbreiten können. So kam es, dass ich neidisch war, weil ich nicht diejenige war, die das Thema angesprochen hatte. Ich war nicht so mutig wie er. Kein Erfolg, nichts als Neid und keinerlei Freude für den Erfolg desjenigen, den ich liebte. Und dazu kam dann auch noch die Unfähigkeit das zuzugeben. Also stritt ich alles ab. Wenn wir Frauen etwas können, dann Dinge abstreiten. Und Tatsachen verdrehen. Überzeugender als je zuvor begann ich ihm seine Fehler vorzuführen und ihm schwachsinnige Dinge an den Kopf zu werfen. In meiner Version war es nicht ich, die kein Interesse zeigte, sondern er, der verschlossen war und mir nichts erzählen wollte. Nach gefühlten 50 Streitereien, in denen ich natürlich nie erwähnte was ich wirklich fühlte, kam es dann zur Trennung. Und in meiner Welt war natürlich ich im Recht gewesen.
Nach einiger Zeit und einem geistigen Wachstum von etwa 7 Metern kann ich nun meine Fehler zugeben. Ich kann offen darüber sprechen, dass ich eifersüchtig war. Ich freue mich sogar manchmal über seinen Erfolg (und das nicht nur, weil man das so macht). Leider ist es zu spät, um an seinem Erfolg auf irgendeine Weise teilhaben zu können und ich musste einsehen, dass es zu einem nicht unbedingt kleinen Teil meine Schuld war. Es war nicht der einzige Trennungsgrund, aber ein Bestandteil und vielleicht sogar das Tüpfelchen auf dem i. Und ich war diejenige, die den Punkt über den Strich gesetzt hatte. Ein kurzes Aufsetzen des Stiftes auf dem Papier, aber doch so wichtig für das Verständnis. Ohne diesen Punkt hätte man es beim späteren Lesen vielleicht nicht verstanden und nicht daraus gelernt.
Kleinigkeiten
Donnerstag 19 Mar, 2009
Kleinigkeiten
Sie können so viel ausrichten. Eine Kleinigkeit kann etwas aufbauen, etwas zerstören, eine Krise nach sich ziehen oder etwas ganz besonderes bedeuten. Manchmal kann sie sogar die Welt verändern.
Niemand achtet darauf, wie oft er alleine das Wort „Kleinigkeit“ verwendet. Eine Kleinigkeit essen, eine Kleinigkeit mitbringen, eine Kleinigkeit erledigen…
Geht man zum Beispiel ein paar Kleinigkeiten einkaufen, so hat man am Ende doch eine Summe auf dem Kassenbon, die es in sich hat. Viele Kleinigkeiten könne zu etwas Großem werden.
Gibt es viele Kleinigkeiten, die jemanden stören, so kann es schnell zu einer unerträglich großen Last kommen, die in einem großen Streit endet. Erwähnt man diese unerheblichen Kleinigkeiten rechtzeitig, so kann man Großes verhindern. Und das ist nur eine Kleinigkeit, die zeigt, was Kleinigkeiten ausmachen können.
Eine unwichtige Kleinigkeit, wie zum Beispiel ein Augenblick der Unaufmerksamkeit, kann über so vieles entscheiden. Wenn man radikal denkt, so kann ein kleiner Moment der Unachtsamkeit sogar über Leben und Tod entscheiden. Sekunden, die an einem Tag voller Stunden einfach so dahinziehen, können ein Leben verändern. Doch wer bemerkt diese Kleinigkeiten?
Wenn eine Kleinigkeit fehlt, wird es den Menschen bewusst. Fehlt ein Bruchteil eines wichtigen Bestandteils unseres Körpers, so geht es uns schlecht. Salz ist eine Kleinigkeit, aber wenn wir nicht genug davon zu uns nehmen, so fehlt uns eine verdammt wichtige Kleinigkeit. Wir benötigen nur wenige Milligramm davon, um gesund zu sein, aber es macht so viel aus, wenn wir diese Kleinigkeit vernachlässigen.
Fehlt uns eine Kleinigkeit in unserer Beziehung, so stellen wir Großes in Frage. Die vielen wichtigen Vorzüge des Liebsten werden durch eine Kleinigkeit zu Nichte gemacht. Ein kleiner Fehler kann unglaubliche Auswirkungen haben oder sogar das Ende bedeuten. Aber wer denkt über solche Kleinigkeiten nach?
Es ist gut, dass Menschen nicht über jede Kleinigkeit nachdenken. Es sind so wahnsinnig viele Dinge, die wir nicht bemerken und die so viel bedeuten. Manchmal sind die unbewussten Kleinigkeiten so vielsagend, dass man es kaum denken kann. Und so vieles würde nicht geschehen, wenn wir vorher darüber nachdenken würden. Also freuen wir uns über die ungesehenen Kleinigkeiten, die unser Leben so beeinflussen und versuchen sie gelegentlich zu bemerken und mehr zu schätzen.
Es ist wichtig, so manche Kleinigkeit zu erkennen, denn viele davon machen das Gesamtbild aus. Ein winziges Lächeln kann für Sympathie sorgen, ein kurzes Nicken kann ein Gruß oder eine Bestätigung sein. Ein Wort kann so vieles bedeuten und ein kurzes Schweigen fast noch mehr.
In der Natur sind Kleinigkeiten so entscheidend, dass der Mensch sie kaum übersehen kann. Leider sind wir meistens zu unaufmerksam, dass wir sie zwar sehen, aber nicht erkennen. Eine Blumenwiese finden die meisten Menschen schön. Doch wer nimmt sich die Zeit und betrachtet einzelne Blüten? Wer bemerkt die Gräser, die die Lücken zwischen den Blumen füllen? Und wer erkennt die Biene oder Hummel, die für das Leben der Wiese sorgt?
Jeder hat schon mal nach dem berühmten vierblättrigen Kleeblatt gesucht, aber hat auch jemand dabei erkannt, wie besonders die „normalen“ Kleeblätter sind? Formvollendete runde Blätter, die in einer ungeraden zahl an einem winzigen Stängel wachsen und mit ihrer Unscheinbarkeit eine ganze Wiese füllen können. Schon mal gesehen?
Wer erkennt die Besonderheiten im Alltag? Und noch wichtiger – wer weiß sie zu schätzen? Man kann nicht jede Sekunde des Tages jede Kleinigkeit bemerken und bewundern, aber hin und wieder sollte man sich die Zeit dafür nehmen. Blumen sind nicht nur schön solange sie blühen, Wetter ist nicht nur gut, wenn die Sonne scheint und Worte sind nicht nur zum berichten, sondern auch zum fühlen gedacht. Augenblicke, Sekunden, Details und Kleinigkeiten bestimmen unsere Welt und haben hin und wieder etwas Beachtung verdient.
…zum Nachdenken…
Spiegelwand
Donnerstag 20 Nov, 2008
Gerade kann ich beobachten, wie die Welt und ihre Seele in all ihre Einzelteile zerfallen. Ich weiß nicht womit dieser Zerfall begonnen hat. Ob nun erst die Welt um mich mit samt ihrer Seele zuerst und dann meine Seele als Teil dieses Gebildes. Oder ob es mit meiner Seele begonnen hat, deren Zerfall sich dann in meine Umwelt und das, was ihre Seele ist, ausbreitete und langsam von jedem Nanometer allen Bewusstseins Besitz ergriff. Sicher ist, dass meine Seele in dem selben Zustand ist, wie die Asche, die ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, von meiner Zigarette in eine Müslischale schnippe. Wollte man diese Asche behutsam mit zwei Fingerspitzen greifen, sie würde in ihre allerfeinsten Bestandteile zerfallen und am Ende bekommt man nichts zu fassen, außer der Gewissheit, dass sie vom kleinsten Lufthauch davongetragen wird und sich in ein ungreifbares Nichts auflöst. Sie zerstäubt und bleibt bis in alle Zeit unauffindbar.
Ist unwiederbringlich in dem Wind verloren, der alles Bewusstsein in sich aufnimmt und an einen Ort trägt, der allen denkenden Wesen verschlossen bleibt. Doch fühlt es sich an, als wäre ich von diesem Ort nur durch einen dünnen Spiegel getrennt. Stehe ich, wie in diesem Moment, vor einem Tor zu dieser geheimnisvollen Welt, die mein Bewusstsein gefangen hält, so sehe ich nur mein Spiegelbild, eine Erscheinung, die als mein Ich bekannt ist. Blicke ich dieser Erscheinung tief in die Augen, weiß ich, dass die Welt, die ich suche mein verborgenes Inneres ist. Eine Welt, die jedem Wesen innewohnt, doch die nicht dafür bestimmt ist von uns ergründet zu werden. Sie soll verschlossen bleiben. Am besten ist, man tritt dem Spiegelbild nie gegenüber. Tut man es doch riskiert man alles.
Für mich war das Riskieren dieses Blickes unausweichlich. Eine Handlung bei der man keine Wahl hat. Man muss sie ausführen. Ebenso, wie es nicht in meiner Macht stand den Tod meiner Mutter vor fast genau sechs Jahren zu verhindern. Ich musste es erleben. Es war wahrscheinlich meine Bestimmung. Ebenso wie es genau jetzt meine Bestimmung ist in den Spiegel zu blicken, der mich von meinem Inneren trennt. Ich weiß, wie es dazu gekommen ist, dass ich mich vor diesem Spiegel wiederfinde, aber ich kann nicht sagen warum. Ich weiß, dass ich ein Buch gelesen habe, das verborgene Winkel meines Bewusstseins berührte, von deren Existenz ich nicht mal nur den leisesten Funken ahnen konnte. Ich möchte hier nicht wiedergeben, worum es in diesem Buch ging, denn alle Worte, die ich zur Verfügung habe, können nicht auf den Punkt bringen, wie das Gefühl beschaffen ist, dass es hervorgerufen hat und warum. Ich weiß nur, dass ich mich in jedem Wort, jedem Satz und zwischen jeder Zeile wiederfinden konnte.
Das Problem ist, dass ich nicht zu greifen vermag, was dieses Ich ist, das ich dort entdeckt habe. Es gibt nur eine Gewissheit, von diesem Buch an die Oberfläche befördert, die ich formulieren kann. Ich weiß, dass es einen Menschen gibt, der ich ist in dem gleichen Maß, wie ich er bin. Ein Mensch, den ich manchmal glaube, mehr als mich selbst zu lieben und zu verstehen. Ein Mensch, den ich ebenso wie mich brauche, um zu leben. Würde er mich verlassen, ohne ihn bliebe nur ein Teil von mir und meiner Seele zurück, der ziellos auf dieser Welt umherirrt. Eine leere Hülle, da sie nur mit dem Gefühl der Einsamkeit erfüllt ist. Ein so diffuses Gefühl, dass nur eine leere Hülle bleibt, obwohl sie von einem Gefühl erfüllt ist.
Ich stehe also vor der Spiegelwand zu meinem Inneren und weiß nach der Lektüre eines Buches, dass der Schlüssel zur anderen Seite mein Geliebter ist. Nur durch ihn konnte ich an diesen Punkt kommen und nur mit ihm habe ich die Kraft mich anzusehen und nach dem riskanten Blick auf mein Spiegelbild, weiterzuleben. Nur mit ihm habe ich die Kraft, den Lufthauch aufzuhalten, der die Asche in all ihre kleinsten Bestandteile verwehen würde. Ich weiß, dass er zu mir gehört, doch weiß ich nicht mit welchem Teil von mir er sich verbunden hat. Verbunden. Verbunden.
Vielleicht ist meine Gewissheit auch nur, wie der Rauch meiner Zigarette. Kappt er die Verbindung, verschwindet sie wie eine Illusion. Etwas das man gerade noch gesehen hat und im nächsten Moment ist es verschwunden. Wie die Illusion einer wassernaßen Straße im gleißend hellen Sommerlicht. Je näher man dem Wasser kommt, desto weiter zieht es sich in die Ferne zurück und im nächsten Moment kann man nicht mehr zwischen Himmel und Straße unterscheiden. Ich fahre auf dieser Straße meinem Liebsten entgegen und versuche ihn dazu zu bewegen die Illusion mit mir gemeinsam festzuhalten. Ich will, dass er sieht, was ich sehe, dass er seine Seele, mit dem was die meine zu sein scheint verbindet. Dass wir für immer verbunden sind. Für immer verbunden. Für immer verbunden.
Eine weitere Gewissheit ist, dass wir immer verbunden sein werden. Wir dürfen dieses Wissen nur nicht aus unserem Blickfeld entweichen lassen. Wir müssen das Wasser auf der Straße im Auge behalten und dürfen nicht müde werden ihm zu folgen.
Nun habe ich das aufgeschrieben, von dem ich überzeugt war, es würde mich an den Punkt bringen, den ich zu greifen versuche. Ich würde hiermit beschreiben können, was mich nach meiner Lektüre bewegte. Und würde vielleicht danach besser wissen, was es ist, das ich in dem Spiegel zu meiner Innenwelt erblicke.
Vielleicht ist es auch nur der Spiegel zu einer Welt, die existiert, damit wir in dieser Welt unsere Seele ergründen können. Vielleicht bin ich einfach nur blind von all dem Schauen und Suchen und übersehe, dass meine Innenwelt sich auf der gleichen Seite befindet wie ich. Auf der gleichen Seite. Auf der gleichen Seite, wie du und ich. Lass uns einfach leben. Einfach leben. Einfach leben.
Verbunden. Verbunden. Verbunden für die Ewigkeit. Ewigkeit. Ewigkeit.
© by textbrei-anja
Grenzen
Donnerstag 20 Nov, 2008
Alles hat Grenzen. Wegen Grenzen wurden Kriege geführt. Menschen setzen sich selbst Grenzen. Geduld hat Grenzen. Man setzt sich selbst Grenzen oder man geht an seine Grenzen. In jedem Bereich des Lebens und in allen Teilen der Welt gibt es Grenzen.
Was sind Grenzen?
Es sind Trennlinien. Auf einer Landkarte ist eine Grenze ein dicker Strich. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist eine Mauer. Die Grenze zwischen Job und Privatleben ist unsichtbar. Es gibt sie also in vielen Formen, aber sie erfüllen alle den gleichen Zweck: Eingrenzen, abtrennen, limitieren.
Warum gibt es Grenzen?
Abgesehen von geographischen Grenzen haben alle anderen eine Schutzfunktion. Ich schütze mein Privatleben vor meinem stressigen Job. Ich schütze mich vor einem Konflikt, indem ich meine Geduldsgrenze ständig erweitere. Ich erwähne meine persönliche Grenze, um mir nicht mehr Arbeit aufhalsen zu lassen, als ich bewältigen kann. Die schlimmste Grenze ist aber die, die unsere Fähigkeiten und Kräfte einschränkt. „Ich kann das nicht” ist der Punkt, an dem unsere Fähigkeit eine Grenze aufhält. „Ich gehe bis an meine Grenzen, aber mehr kann ich nicht tun.”
Ist das nicht der reine Blödsinn?
Wenn man schon bis an seine Grenze gekommen ist – warum geht man dann nicht noch den winzigen Schritt über die Linie?
Ganz einfache Gründe: Angst, Bequemlichkeit, Rücksichtnahme.
Wenn ein Pferd auf einer Wiese steht, umrandet von Elektrozaun, gemütlich auf einem Grashalm kaut, hält man es für zufrieden. Die Sonne scheint, die Wiese ist grün und saftig und der eingezäunte Bereich so groß, dass es problemlos herumlaufen kann. Aber es liegt nun mal nicht in der Natur des Pferdes in einem abgesteckten Gebiet Gras zu fressen. Früher oder später schafft es jedes unzufriedene Pferd über den Zaun. Vielleicht fängt es sich dabei einen schmerzhaften Stromschlag ein, aber das gute Gefühl wird überwiegen.
Ob es in der Natur des Menschen liegt, sich nur in einem abgesteckten Bereich zu bewegen kann man schwer sagen. Es gibt viele Leute, die glücklich sind und nicht daran denken einen Blick über den Zaun zu werfen. Sie wissen vielleicht nicht, dass dahinter noch mehr ist. Oder sie erkunden noch ihr Gebiet und haben den Zaun noch nicht entdeckt. Andere bereuen nach langer Zeit, sich dem Zaun nie genähert zu haben. Sie haben ständig die andere Seite im Auge behalten, sich jedoch nie den nötigen Ruck gegeben. Natürlich gibt es auch Menschen, die ihre Grenze überschritten haben und sich irgendwann doch wieder zurückgezogen haben. Aber diejenigen können wenigstens sagen, dass sie gesehen haben, was sich dahinter verbirgt.
Was macht man nun mit seiner Grenze?
Ausweiten, übertreten oder ignorieren? Weder noch.
Man muss da viel beachten:
1. Natürliche Grenzen: Menschen können nicht fliegen, nicht unter Wasser atmen oder ähnliches. Damit müssen wir uns abfinden. Manche Grenzen sind unabänderlich und haben auch ihren Sinn. Eine Schmerzgrenze beispielsweise ist angeboren, aber dehnbar. Warum sollte man an dieser Grenze arbeiten? Schmerzen haben einen Sinn und sind wichtig… also nicht einfach drauf los und alle Grenzen verschieben – manche brauchen wir eben doch!
2. Soziale Grenzen: Dass man vom Millionär schnell zum bettelnden Brückentunnelbewohner werden kann ist kein Geheimnis, aber nicht was ich meine. Ich rede von Grenzen zwischen Menschen, die sich mehr oder weniger nahe stehen. Viele trennen Freunde und Familie, Familie und Arbeitskollegen, Partner und Freundeskreis oder sogar alte Freunde und neue Freunde. Und wieso? Weil sie sich vielleicht nicht verstehen, sich streiten oder sich vielleicht gut verstehen könnten. Also kurz gesagt: Weil sie sich vielleicht benehmen wie Menschen. Schreckliche Vorstellung, also wird eine Grenze gezogen. Und wer gibt einem Menschen das Recht einen anderen auszuschließen? Jedem sollte die Möglichkeit geboten werden Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Und es besteht immer die Gefahr, dass eine Freundschaft oder eine Beziehung an einer solchen Grenze zerbricht.
3. persönliche Grenzen: Dazu gehören Grenzen, die Kraft, Leistung, Fähigkeiten, Wünsche, Ziele, Träume, Hoffnung oder Gedanken beschränken. Das sind die schlimmsten Grenzen. Ich sage nun, was gesagt werden muss: Persönliche Grenzen gibt es nicht. Solange es Menschen gibt, die schwere Krankheiten überwinden, die mit 90 Jahren noch einen Marathon laufen, die im Rollstuhl sitzen und eine Familie versorgen, die auf ihrem Hochzeitsfoto aus einem vernarbten und entstellten Gesicht strahlen und lächeln, als wollten sie ihr Glück mit allen teilen, die das Bild sehen – solange glaube ich nicht an persönliche Grenzen. Wer seine Kraft, seinen Willen und seine Stärke nie testet, der weiß auch nicht wie weit sie gehen. Ich behaupte Willenskraft und Stärke des Menschen haben keine Grenze, aber müssen portioniert werden. Niemand schafft es auf einmal aus einer tiefen Schlucht auf den Mount Everest, aber viele haben es in Etappen bereits geschafft.
Grenzen, die durch einen äußeren Einfluss entstanden sind, müssen grundsätzlich aufgelöst werden. Die so genannten „bleibenden Schäden”, „Altlasten” oder „alten Wunden”, die jeder Mensch mit sich herumträgt bilden die Grenzen. Hat man einmal eine schlechte Erfahrung mit etwas gemacht will man nie mehr an diesen Punkt kommen – zieht also eine Grenze. Wurde man einmal enttäuscht, traut man sich beim nächsten Mal weniger – die Grenze zieht sich zusammen. Behauptet jemand, man könne etwas nicht schaffen oder ein Ziel nicht erreichen, dann zieht man eine Grenze ohne es versucht zu haben. Traurig aber wahr. Schon kleinen Kindern wird der Traum vom Astronautenleben genommen, Jugendlichen wird gesagt, dass sie es mit dem Zeugnis nie zu etwas bringen, Erwachsenen wird gesagt, dass sie alles falsch machen und Senioren wird gesagt, dass sie nie etwas richtig gemacht haben. Es ist keine Kunst Grenzen zu setzen, sie zu zeigen und einzuhalten, denn die Kunst ist genau das Gegenteil. Möglichkeiten erkennen, die Altlasten vergessen und etwas wagen…
Ich könnte hier ewig weiter schreiben, aber es hat wenig Sinn. Wichtig sind das Nachdenken, das Finden der Grenze und das gute Gefühl, das man hat, wenn die Spitze des Schuhs schon auf der Linie steht.
Es gibt unendlich viele Beispiele, gute Ratschläge und kluge Sprüche über Grenzen, aber mich hat bisher erst ein Zitat wirklich berührt und angespornt über meine Grenzen zu gehen:
Wenn man eine Grenze überschreitet und sich dann umdreht und zurückblickt – ist der Ausblick phänomenal.



