Hemmschwelle/Interesse
Mittwoch 23 Sep, 2009
Nach den Vorfällen in diversen Schulen rattern die Gedanken wie ein vorbeifahrender Zug.
Was bewegt Menschen wie Georg zu dieser Tat? Auch ich könnte jetzt spekulieren, rätseln, Nachrichten nachplappern und Killerspiele verurteilen. Ich könnte wild Leute beschuldigen ihn vernachlässigt zu haben. Ich könnte auf dem Bildungssystem rumhacken und auf die Politik schimpfen. Ich habe nichts dergleichen vor. Schuld an Geschehnissen wie diesem hat jeder. Ich meine damit jeden einzelnen Menschen. Ich meine Mütter, Väter, Freunde, Bekannte, Lehrer, Nachbarn, Computerspiele, Fernsehen, Politik, Systeme und die ganze Welt. Am meisten Schuld an der sogenannten Tragödie trägt meiner Meinung nach aber immernoch Georg selbst.
Der erste Punkt, den es anzusprechen gilt, ist die gesunkene Hemmschwelle der gesamten Gesellschaft.
Am deutlichsten zeigt sich das wohl im Fernsehen. Vor einigen Jahren wurde noch jedes “Scheiße” weggepiept, aber heute könnte ein Nachrichtensprecher der ARD sein gesamtes Repertoire an Schimpfworten in seinen Text einbauen und der normale Bürger würde darüber schmunzeln. Diese Veränderung spiegelt sich in allen Lebensbereichen wider. Wer hat in seiner Schulzeit nicht darüber geredet einen verhassten Lehrer auf sein imaginäre Amokliste zu setzten? Wer hat nicht bei dem Gedanken an “Hurra, hurra, die Schule brennt” gelächelt? Wer schwor bei einer ungerechtfertigten schlechten Note keine Rache? Aber wer setzte so etwas wirklich in die Tat um? Heutzutage werden die gleichen Drohungen ausgesprochen, wie früher, aber sie werden immer öfter umgesetzt. Phantasien werden ausgelebt, unterdrückte Gefühle rausgelassen und Worten folgen immer öfter Taten. Ist das nicht Zeichen genug? Vielleicht ein Ansporn sich mehr um Gefühle, Gedanken und Worte der Jugend zu kümmern….
Zuhören, Nachfragen und sich dafür interessieren wäre heutzutage angebracht. Und zwar sollte das jeder Einzelne tun. Ob Lehrer, Eltern, Freunde oder Politiker – wer hört denn eigentlich noch aufmerksam zu? Wer interessiert sich für einen Einzelnen? Und wer kennt die Hemmschwelle dieses Einzelnen?
Man kann danach immer sagen “Das hätte ich von dem nie gedacht!”. Hat jemals jemand mit “DEM” über so etwas gesprochen? Sicherlich nicht. Niemand spricht mit einem Amokläufer über Amokläufe. Niemand spricht mit einem Kinderschänder über Kinder. Niemand spricht mit einem Selbstmordattentäter über das Leben. Aber jeder kennt solche Menschen. Es interessiert sich nur niemand dafür….
Killerspiele
Mittwoch 23 Sep, 2009
Computerspiele jeder Art sind heute eine Entschuldigung und der Grund für nahezu jede Art von Straftat. Da ich selbst einige Zeit lang die verschiedensten Spiele gespielt habe, bin ich mittlerweile auch täglich zu neuen Schandtaten bereit. Ich schieße auf Menschen, zünde alles an, was mir über den Weg läuft und sammle Münzen auf meinem Weg. Was soll denn der Quatsch?
Kein Spiel dieser Welt macht einen Menschen zu einem Straftäter. Wenn das gesamte Leben, die Welt und das Umfeld einen Menschen so weit treibt andere zu verletzen, dann kann ein Computerspiel da nichts mehr dazu beitragen. Es kann vielleicht eine Vorgehensweise vorschlagen, aber nicht die Beweggründe liefern.
Ich selbst habe so genannte Killerspiele gespielt. Ich habe auf unbekannte und maskierte geschossen. Ich habe Schwerter und Messer in Körper gestoßen, die mir absolut fremd waren. Jedoch war mir in jeder Sekunde des Mordens bewusst, dass es sich um virtuelle Figuren ohne Lebensgeschichte, Familie und Gefühle handelt. Jeder Mensch, der diesen Realitätssinn während eines solchen Spiels verliert, der hat schon vor dem Spiel bleibende Schäden gehabt. Wer in einem Spiel so aufgeht, dass er es nicht mehr von der echten Welt unterscheiden kann, dessen echte Welt kann nicht besonders gut sein. Niemand tauscht ein wirkliches Leben gegen graue, graphische Figuren mit Waffen in Händen – es sei denn, das wirkliche Leben ist noch schlechter.
Für mich war eine ganze Zeit lang “Carmageddon” ein Ventil. In einem aufgemotzten Auto rumfahren, andere Autos zu Schrott verarbeiten, Stacheln und Zacken in Motorhauben rammen und Menschen überfahren, um Zeitpunkte zu sammeln. Blut auf Straßen verteilen, schreiende Menschen und ab und zu das Lachen meines Fahrers aus den Boxen des PCs. Das war nach einem Streit oder einem stressigen Schultag ein perfekter Ausgleich. Eine halbe Stunde Tod und Verderben, dann wieder zurück ins echte Leben. Deswegen habe ich trotzdem noch nie jemanden überfahren, damit mir im echten Leben Zeit angerechnet wird.
In einer Zeit, die von Technik und Computern regiert wird, darf man Spiele nicht überbewerten. Es ist eine Art der Freizeitgestaltung – oder sollte es zumindest sein. Kritisch wird es erst, wenn der Realitätssinn verloren geht. Dafür ist dann aber nicht das Spiel verantwortlich, sondern die Realität des Spielers.
Ran an den Abgrund (Erwachsen auf Probe)
Sonntag 7 Jun, 2009
DEBATTE UM RTL-DOKUSOAP
Ran an den Abgrund
Denn sie wissen nicht, was sie tun: In der RTL-Dokusoap “Erwachsen auf Probe” hantieren chaotische Teenager mit Säuglingen – hier werden soziale Verwerfungen sichtbar. Genau das macht die heftig umstrittene Sendung so sehenswert, findet Nikolaus von Festenberg.
Can hieß er und war ein fürchterlicher Kerl. Der türkischstämmige Jugendliche quälte einen deutschen Schüler, verachtete bis auf seine verschwundene Mutter die Frauen, verspottete alle Nichtmachos und faselte von Würde und Respekt. Erschlagen trieb er am Ende im Pool, der Zuschauer durfte sich für seine Erleichterung schämen, und die deutsche Fernsehkritik war mit wenigen Ausnahmen begeistert. Es gab eine öffentliche Debatte über Gewalt im Fernsehen um den wilden WDR-Film “Wut” (2005), aber es gab auch den Grimme-Preis und eine Goldene Kamera. Heiß macht Preis.
“Wut” war allerdings Fiktion. Als vergangenen Donnerstag die neue Dokusoap “Erwachsen auf Probe” bei RTL anlief und ein Macho namens Elvir auftauchte, von Respekt faselte, aber seine Freundin zu schlagen zugab, waren Preise ganz weit weg. Elvirs Pech: Er war bloß real, Can Kunst. Keine ästhetische Beflissenheit bremste die Beißlust der Kritiker. Die “Süddeutsche Zeitung” schimpfte den Big-Baby-Käfig von RTL “Mumpitz” und wollte Elvir sogleich in Therapie schicken. Die “FAZ” wütete: “Kindesmissbrauch”, “Skandal”, Heuchelei”, “Abgrund”. Schade, so las man heraus, dass der Kadi wohl nicht das letzte Wort sprechen kann.
Wohl wahr, der reale, nicht ausgedachte Soap-Alptraum Elvir wirkt wie ein unreifer Kotzbrocken. Im Traum phantasiert er Eifersuchtsszenen, wälzt sich, möglicherweise todbringend, im Bett über die ein Baby simulierende Puppe. Elvir ist eitel, nicht besonders fleißig, schnell erschöpft, er ist ein lebender Widerspruch zu seinem Selbstbild. Sein größter Fehler: Er heuchelt nicht.
Aber gehört er wegtherapiert? Ist er auf ewig unfähig, den Elternführerschein zu machen? Ist ihm zu misstrauen, wenn er den RTL-Test deswegen mitmacht, weil er sieht, dass seine Freundin verrückt nach Babys ist, ohne zu begreifen, warum? Unzulänglichkeit gehört zum Leben, also auf den Schirm.
“Erwachsen auf Probe”, da hat die “FAZ” Recht, blickt in Abgründe. Auf Zigaretten qualmende Jugendliche, auf unverschämt hilflose Menschen, die keine Ikea-Stühle zusammenschrauben, sich nicht effektiv organisieren und mit Geld nicht richtig umgehen können. Sie wirken schüchtern- schrullig, verspielt, sprachverlegen, aber nie so teuflisch-windschnittig wie in den Fiktionen. Sie verdienen als Dokusoap-Gestalten trotzdem Respekt und nicht die Steine aus dem muffigen Glashaus der Besserwisser.
Nicht nur 17-Jährige sind überfordert
Denn was sich aus den oft wenig perfekten Arrangements dieses der Unterhaltung dienenden RTL-Experiments herauslesen lässt, ist nicht vom Teufel erfunden. Dass beispielsweise Elternwerden die Rolle der Sexualität in einer Beziehung verändert, ist nicht das Hirngespinst eines übergeil stimulierten Jungen, sondern gern verdrängte Realität. Und wahr ist ja auch: Die Arbeitswelt ist unerbittlich, die Verweigerung ihr gegenüber zwar kindisch, aber so jenseitig nicht. Man könnte Eichendorffs “Taugenichts” fragen.
Nicht nur 17-Jährige sind von den Bedürfnissen von Kindern überfordert. Kleine Kinder sind was Unbedingtes. Man muss den Umgang mit den Monstern lernen, man kann ihn nicht gleich bewältigen. Geschwister sind inzwischen so selten wie anwesende Väter, und das Fernsehen macht im normalen Programm einen großen Bogen um dieses anstrengende Stück Erziehungsleben.
(Quelle: www.spiegel-online.de – http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,628930,00.html)
DIY-Story I
Dienstag 26 Mai, 2009
Herbstwind – DIY
Dienstag 26 Mai, 2009
Vor dem Fenster des Cafés spielten sich ganz alltägliche Großstadtszenen ab. Menschen liefen im Eilschritt und mit gehetztem Blick vorüber, die vielen Autos stockten immer wieder im nicht enden wollenden Feierabendverkehr und auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden dem einbeinigen Bettler und seinem Schäferhund kaum Beachtung geschenkt. Schon seit über einer Stunde saß sie hier und wartete. Und wartete. Er kam einfach nicht.
Angelika:Sie hatte sich nun schon den zweiten Cappuccino bestellt, doch er schmeckte ihr nicht.
Lustlos rührte sie darin herum und blickte wieder und wieder aus dem Fenster des Cafès. Immer noch keine Spur von ihm!
Aufeinmal bemerkte sie, dass der Bettler und sein Hund verschwunden waren. Ob er wohl eine Bleibe hatte?
Jeder neue Gast, der herein kam, brachte einen Schwall kühler Luft mit.
Katja fröstelte. Sie hatte heute morgen ihre neueste Errungenschaft, eine schwarze Spitzenbluse, angezogen. Ihre Kollegen hatten gesagt, sie sehe sexy darin aus.
Sie wollte sich schön für ihn machen! Und nun kam er nicht!
War ihm etwas Wichtiges dazwischen gekommen? Aber dann hätte er sie doch anrufen können. Nervös kramte sie in ihrer Umhängetasche herum und kontrollierte zum xten Mal, ob ihr Handy auch wirklich eingeschaltet war.
Oder hatte er inzwischen bereut, dass sie sich so schnell verabredet hatten? Schließlich hatten sie sich erst gestern bei ihrer Freundin kennengelernt.
Seufzend starrte sie in ihrer Tasse auf die unappetitlichen Ränder, die sich inzwischen gebildet hatten.
Plötzlich spürte sie eine Bewegung neben sich und als sie aufsah, schaute sie direkt in zwei blaue Augen, die sie fragend ansahen.
“Ist hier noch frei?”, fragte der blauäugige und streckte schon seine Hand nach der Stuhllehne aus. Verwirrt nickte Katja und musterte ihn verstohlen. Er trug einen schwarzen Rollkragenpulli, über den sich braunes Haar kräuselte. Unter den rechten Arm hielt er krampfhaft eine Aktentasche geklemmt.
Kaum hatte der Fremde Platz genommen, klingelte ein Handy. Katja war so in die Betrachtung des Fremden versunken, dass sie nicht gleich bemerkte, dass es ihr eigenes war.
Hektisch nestelte sie mit zitternden Fingern an ihrer Umhängetasche herum. Sie stellte sich dabei so ungeschickt an, dass die Tasche zu Boden fiel und der gesamte Inhalt dem Fremden vor die Füße kullerte.
Sie sieht das Herbstblatt wehen, durch die Straßen hier gehend, New York City im September, Sonnenstrahlen aufnehmend.
Auch ihre Haare verwehen auf den Schal, den sie trägt.
Es wird langsam frisch, denn es wird langsam spät.
Auch wenn sie langsam geht, verfliegt die Zeit rasch.
Wenn sie zwischen den Gedanken mal `nen Blick erhascht auf den Park, der den Rahmen ihres Tages erschafft, scheint ihr, als sähe sie die Nähe der anschleichenden Nacht.
Doch vielleicht lieg es daran, was sie fühlt, daran, was sie pausenlos sieht, wenn sie die Augen mal schließt.
Sie hat entschlossen, ihren Weg zu gehen, wegzugehen.
Die Last zurückzulassen für ein besseres Leben.
Hat geplant von Anfang an, klar von Anfang an.
Sie fängt schon bald nen neuen Anfang an.
Hat sich getrennt von den anderen, hat abgeschlossen mit noch offenen Versprechen und Erwartungen.
Sie hat sich alles so genau überlegt und zurechtgelegt und zu Recht gefreut über Chancen und Freuden auf diesem Weg.
Es ist Zukunft, um dies ihr letztlich geht.
Sie will sich selber erkennen, selber verwirklichen, hat selber gewählt, diesen Schritt zu tun.
Doch zurück in den Park.
Ihre Gedanken sind abwechselnd klar und schweifen dann ab.
Denn sie denkt an diesen Tag, dieses eine Mal, als sie ihn irgendwie auf einmal sah.
Warum muss Schicksal so hart sein?
Sie schmunzelt über sich selbst.
Warum kann alles nicht so simpel und geplant sein?
Es war doch nur, um noch mal raus zu gehen und unbeschwert ein letztes Mal die ganzen Leute zu sehen.
Hätte sie wissen können, was dann geschah, wäre sie zu Hause geblieben, Telefon ausgemacht, ins Bett und das war´s.
Zuerst war er unscheinbar.
Sie kamen sich irgendwie nah.
All ihre Leute waren grad vorn an ner Bar.
Es war schon spät, sie war schon leicht verdreht.
Es war ein nices Gespräch, frei von üblichen, oberflächlichen, faken Sätzen.
Wir können uns gern setzen.
Irgendwo zwischen den Sätzen fand man dann ein viel stilleres Plätzchen.
Es war so sanft wie das leiseste Plätschern, kaum zu bemerken wie langsam die Gletscher tauten, Eis wurde zu Bächen.
Die Zeit flog an den beiden vorüber.
Die nächsten Tage waren kurz wie Sekunden, dennoch inhaltsschwerer als Bücher.
Er war ihr Soul-Brother, Soul-Lover, nach ach so kurzer Zeit.
Doch sie muss gehen in nur so kurzer Zeit.
Den beiden blieb nur so kurze Zeit.
Auch wenn man weiß, dass es endet, die Verbindung im Bewusstsein bleibt.
Er sieht den Herbst beginnen vor den Fensterscheiben, draußen Buchenblätter seine Fenster streifen, drinnen seine Blicke weg vom Fenster schweifen.
Innen in ihm drin, Wind endlos kreisen.
Sie sprachen über die endlosen Weiten, über äußerlich und innerlich erlebtes Reisen.
Sie war, nein, sie ist für ihn wie Indien
So tief, so fern, so nah, so sehr Traum wie wahr.
Wie schön sie war, schön in ihrer Weise und Art.
Weise und zart.
Er spürt wie sich die Nacht ihm naht.
Denkt nach über das, was er sah, in ihrem Blick reflektiert sich sein eigenes Ich so klar.
Kann es sein, dass ich nicht Ich war, bevor ich dich traf?
Oder ist durch dein Fehlen die Leere sichtbarer?
Wie spät es jetzt wohl ist bei ihr?
Rechnet zurück, die Sonne spendet wohl noch Licht bei ihr.
Er hat seit Tagen von ihr nichts gehört.
Er weiß, sie sucht noch ne Wohnung, doch was ihn verwirrt ist, dass sie nicht schreibt, schon seit drei oder vier Tagen.
Drei oder vier Mal am Tag schrieb sie bisher ja.
Er macht sich selbst ganz verrückt, er lacht, zieht sich zurück von seinem Fensterplatz und lässt die Nacht draußen sein und in ihm drin.
Denn um ihn herum ist das Licht nur ganz leicht gedimmt.
Er sucht die Nähe von Musik in diesen einsamen Stunden.
Melodien kreisen ihn ein in ihren einsamen Runden.
Jedes ihrer Worte war Ton einer Symphonie, wie nie hat er Sinn alleine in dem Klingen einer Stimme gefunden.
Er kommt sich komisch vor bei dem ersten Akkord.
Glaubt er wirklich mit dem fadenden Klang fliegen die Schmerzen fort?
Doch er spielt wieder, schreibt ihr vier Lieder.
Die Harmonien spiegeln ihre Harmonie wieder.
Doch irgendwo ist die Spannung zu spüren, zwischen den leidenden Tönen deutlich dazwischen zu hören.
Der Konflikt, denn er traf sie nicht als Mann, der frei war.
Er traf sie als ein Mann, der zu Zweit war.
Und eigentlich war er glücklich und happy, gar nicht auf Baggern aus, Trucker Cappy mit T-Shirt und Baggy.
Doch wenn man sie trifft, die hinter die Dinge sieht, Fassaden und Mauern durchbricht, erkennt, was verborgen im Herzens-Inneren liegt!
Dann will man hilflos und willenlos sein, will sich verlieben.
Denn wenn nicht, stirbt ein Teil in einem.
Er teilt in einem Herzen Gefühle für zwei.
Kein Vor.
Kein Zurück.
Er drückt Play und schweigt.
Für die beiden ist der Herbst nur die Zeit, in der sie sich trafen und unbewusst und bewusst für die Sehnsucht entschieden haben.
In diesen Tagen, den letzten des Sommers, haben laue Winde bereits ganz leise geflüstert, was lauert, wenn sie verschwinden.
Die Kälte, die wir verbinden mit dem Herbst und auch Winter, ist die Kälte, die draußen herrscht und auch Einfluss nimmt auf das Innere.
Man wünscht sich dann intensiv, dass die Wärme weiterhin bleib, wenn die Angst vor Einsamkeit langsam einschleicht, die im Sommer schlief.
Sie denkt, der Grund aus dem er nicht schreibt, ist vielleicht banal wie Eis auf der Strasse und doch so tragisch zugleich.
Denn obwohl man weiß, dass es da ist, man wünscht sich, es wäre fort und zieht Tauwasserpfützen vor, wenn man dem Stürzen so nah ist.
Sie wagt nicht, zu sehr zu hoffen, doch auch nicht zu sehr zu zweifeln.
Befreit sich von seinem Einfluss, versucht für sich zu entscheiden.
Denn beinahe gäbe sie auf, was sie träumte nur um Gewissheit zu haben, gewiss zu erfahren, ob sie sein Seien nur träumte.
Immer weniger schafft sie, Leuten zu leugnen, dass jemand da ist.
Doch mit jedem Tag ist klarer für sie, dass es nicht mehr klar ist.
Was war es an diesem Mann, was sie heute noch fest umfasst?
Seine Nähe kann es nicht sein, seit drei Wochen schon kein Satz.
Er schweigt in sich selbst, genau wie zu ihr, er friert die Verbindung ein wohl um die Bindung zu konservieren.
Und erklärt sich selbst, dass er nötiger braucht in der kalten Zeit, was sein Geist gefiltert gespeichert hat, als was da ist, vielleicht.
Er schweift mit dem Blick vorbei an der Buche.
Ertappt sich selbst dabei, seltsamerweise überall Gleichnisse zu vermuten.
Er lächelt bei dem Gedanken, er sei wie der Mann da draußen, der die Schönheit all des Schnees ignoriert, um die Wege frei zu schaufeln.
Denn insgeheim will man Eis und liebt wie es glänzt, aber wenn man es hat wird es einem zu glatt, und es wird verdrängt.
Und genau das ist die Essenz, denn er sehnt sich nach Feuer, doch wenn es brennt, ist die Konsequenz ihm zu viel, er sehnt sich nach Vorher.
Sie spürt seine Zweifel intuitiv.
Doch die Fakten sind klar wie Winterhimmel:
Immer noch kein einziger Brief.
Sie entzieht ihrer Seele die Nähe, da durch die Lähmung des Wir-Gefühls auch Wirr-Gefühle entstehen.
Sie kann sich nicht weiter sehen in der Rolle der ständig Hoffenden, wird erneut zur Verschlossenen, auch wenn die Wunden offen sind.
Sie opfert sich nicht weiter für seine Launigkeiten auf, sie hört auf, auf ihn aufzubauen, da sein Fundament in der Wärme ihrer Hände taut.
Er vertraut zu sehr, dass sie wartet auf ihn.
Auf dass er sich klar wird.
Auf dass sein Wille ihr klar wird.
Auf das, was er sagen wird, auch wenn er es dadurch beendet.
Doch sie wartet jetzt nicht mehr.
Sie hat vor ihm für ihn beendet.
Er wird eines Tages vielleicht erkennen, was er gehen ließ.
Unschlüssigkeit als Trockenheit, die die Blume vergehen ließ.
Doch Orchideen haben zehn Leben und kein Gefühl ist umsonst.
Sie tritt raus in die lauten Straßen New Yorks und spürt, dass der Frühling kommt.
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