Videos Lara Stoll
Samstag 6 Mar, 2010
Kafkas Glaube
Samstag 26 Sep, 2009
Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen.
Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not auch selber schreiben.
Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord.
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das glaube ich.
Franz Kafka in einem Brief an seinen Freund Oskar Pollack
Hemmschwelle/Interesse
Mittwoch 23 Sep, 2009
Nach den Vorfällen in diversen Schulen rattern die Gedanken wie ein vorbeifahrender Zug.
Was bewegt Menschen wie Georg zu dieser Tat? Auch ich könnte jetzt spekulieren, rätseln, Nachrichten nachplappern und Killerspiele verurteilen. Ich könnte wild Leute beschuldigen ihn vernachlässigt zu haben. Ich könnte auf dem Bildungssystem rumhacken und auf die Politik schimpfen. Ich habe nichts dergleichen vor. Schuld an Geschehnissen wie diesem hat jeder. Ich meine damit jeden einzelnen Menschen. Ich meine Mütter, Väter, Freunde, Bekannte, Lehrer, Nachbarn, Computerspiele, Fernsehen, Politik, Systeme und die ganze Welt. Am meisten Schuld an der sogenannten Tragödie trägt meiner Meinung nach aber immernoch Georg selbst.
Der erste Punkt, den es anzusprechen gilt, ist die gesunkene Hemmschwelle der gesamten Gesellschaft.
Am deutlichsten zeigt sich das wohl im Fernsehen. Vor einigen Jahren wurde noch jedes “Scheiße” weggepiept, aber heute könnte ein Nachrichtensprecher der ARD sein gesamtes Repertoire an Schimpfworten in seinen Text einbauen und der normale Bürger würde darüber schmunzeln. Diese Veränderung spiegelt sich in allen Lebensbereichen wider. Wer hat in seiner Schulzeit nicht darüber geredet einen verhassten Lehrer auf sein imaginäre Amokliste zu setzten? Wer hat nicht bei dem Gedanken an “Hurra, hurra, die Schule brennt” gelächelt? Wer schwor bei einer ungerechtfertigten schlechten Note keine Rache? Aber wer setzte so etwas wirklich in die Tat um? Heutzutage werden die gleichen Drohungen ausgesprochen, wie früher, aber sie werden immer öfter umgesetzt. Phantasien werden ausgelebt, unterdrückte Gefühle rausgelassen und Worten folgen immer öfter Taten. Ist das nicht Zeichen genug? Vielleicht ein Ansporn sich mehr um Gefühle, Gedanken und Worte der Jugend zu kümmern….
Zuhören, Nachfragen und sich dafür interessieren wäre heutzutage angebracht. Und zwar sollte das jeder Einzelne tun. Ob Lehrer, Eltern, Freunde oder Politiker – wer hört denn eigentlich noch aufmerksam zu? Wer interessiert sich für einen Einzelnen? Und wer kennt die Hemmschwelle dieses Einzelnen?
Man kann danach immer sagen “Das hätte ich von dem nie gedacht!”. Hat jemals jemand mit “DEM” über so etwas gesprochen? Sicherlich nicht. Niemand spricht mit einem Amokläufer über Amokläufe. Niemand spricht mit einem Kinderschänder über Kinder. Niemand spricht mit einem Selbstmordattentäter über das Leben. Aber jeder kennt solche Menschen. Es interessiert sich nur niemand dafür….
Killerspiele
Mittwoch 23 Sep, 2009
Computerspiele jeder Art sind heute eine Entschuldigung und der Grund für nahezu jede Art von Straftat. Da ich selbst einige Zeit lang die verschiedensten Spiele gespielt habe, bin ich mittlerweile auch täglich zu neuen Schandtaten bereit. Ich schieße auf Menschen, zünde alles an, was mir über den Weg läuft und sammle Münzen auf meinem Weg. Was soll denn der Quatsch?
Kein Spiel dieser Welt macht einen Menschen zu einem Straftäter. Wenn das gesamte Leben, die Welt und das Umfeld einen Menschen so weit treibt andere zu verletzen, dann kann ein Computerspiel da nichts mehr dazu beitragen. Es kann vielleicht eine Vorgehensweise vorschlagen, aber nicht die Beweggründe liefern.
Ich selbst habe so genannte Killerspiele gespielt. Ich habe auf unbekannte und maskierte geschossen. Ich habe Schwerter und Messer in Körper gestoßen, die mir absolut fremd waren. Jedoch war mir in jeder Sekunde des Mordens bewusst, dass es sich um virtuelle Figuren ohne Lebensgeschichte, Familie und Gefühle handelt. Jeder Mensch, der diesen Realitätssinn während eines solchen Spiels verliert, der hat schon vor dem Spiel bleibende Schäden gehabt. Wer in einem Spiel so aufgeht, dass er es nicht mehr von der echten Welt unterscheiden kann, dessen echte Welt kann nicht besonders gut sein. Niemand tauscht ein wirkliches Leben gegen graue, graphische Figuren mit Waffen in Händen – es sei denn, das wirkliche Leben ist noch schlechter.
Für mich war eine ganze Zeit lang “Carmageddon” ein Ventil. In einem aufgemotzten Auto rumfahren, andere Autos zu Schrott verarbeiten, Stacheln und Zacken in Motorhauben rammen und Menschen überfahren, um Zeitpunkte zu sammeln. Blut auf Straßen verteilen, schreiende Menschen und ab und zu das Lachen meines Fahrers aus den Boxen des PCs. Das war nach einem Streit oder einem stressigen Schultag ein perfekter Ausgleich. Eine halbe Stunde Tod und Verderben, dann wieder zurück ins echte Leben. Deswegen habe ich trotzdem noch nie jemanden überfahren, damit mir im echten Leben Zeit angerechnet wird.
In einer Zeit, die von Technik und Computern regiert wird, darf man Spiele nicht überbewerten. Es ist eine Art der Freizeitgestaltung – oder sollte es zumindest sein. Kritisch wird es erst, wenn der Realitätssinn verloren geht. Dafür ist dann aber nicht das Spiel verantwortlich, sondern die Realität des Spielers.
ihr und ich
Sonntag 7 Jun, 2009
ihr und ich
Ich bin nicht einfach zu handlen,
ich bin ein Freigeist mit Flausen und Eigenheiten in dreifacher Menge.
Ich fühl mich oft einsam,
ich drohe an der Oberflächlichkeit der Menschheit zu zerbrechen, es macht das Loch weiter.
Ich sitz zwischen zehn Menschen,
nicht ein einziges Themengebiet tangiert mich im Geringsten, ich sehe leere Menschen.
Ich bring mich ein mit dem Satz “Fick die Welt!”, die Runde staunt,
ging es doch eben noch um Nettogehälter und Kundentausch.
In einem Raum voller naturalistischer Stillleben
bin ich verstörende moderne Kunst, keiner will mein Bild sehn!
Sie sehn mich wie Dadaismus ohne Idee dahinter, dumm und menschlich,
abstrakt, im besten Fall interessant, aber unzugänglich.
Ich sprenge ihre Werteskala,
ich bin der Härtefall, ich gehe nicht zum Trendfriseur, hab deswegen heut nichts mehr zu sagen.
Eure Herzen sind mir zu klein, Motive Wertentladen,
die Tüten zu groß und die Witze zu vorhersehbar!
Ihr zwingt mir den Komplex auf, die Mehrheit macht den Staat,
ihr besetzt den Begriff normal, Alternatives wird brandgemarkt.
Um eure Fehler mir auf die Fahnen zu schreiben,
fehlt es mir leider an Arroganz! Es ist immer das gleiche.
Warum guckt ihr mich so an? Ich bin nicht aussätzig.
Ich bin anti, kontra, dagegen, ich bin aufsässig.
Ich bin mein eigenes Konzept, ich lebe frei und mündig.
Kommt in meinen Club zum seelischen Beipass,
und ich sperr extra für euch den geistigen Bereich ab.
Ich grab unter feuchte Hände schütteln und Kinnhaken,
eine Nische zwischen Großstadtbauern und Provinzadel.
Ihr seid Katalogmenschen, Seele kommt per Nachname,
Als Bonus für lästige Werte der passende Sargnagel.
Ich sehe leere Menschen, leere Zimmer, leere Häuser,
leere Millionäre, leere Flaschen, leere Säufer.
Ich leere ohne was zu lesen meinen Posteingang,
ich fühl mich oft wie ein Außenseiter, ich bin oft einsam.
Die letzte Frage: Worum gehts? Um alles zu sehen?
Nein, denn die Wege enstehen beim Gehen
und das Verstehen beim drüber Reden und Schreiben, beim Reisen und Leben.
Statt beim Leiden, Schweigen und Quälen. Eigentlich wenig, doch eigentlich mein ich mehr nicht,
zumindest weiß ich nichts, deswegen reichts mir eigentlich.
Alles ist gut, solange du tust was du kannst,
mit dem was du in der Hand hast, wo du bist,
mit dir im Frieden bist.
Denn da gehts lang, man muss nur anfangen.
Ich schalt das Licht an, seh dich und mich dann
und fühl mich ganz an.
Darum bleib ich sicher nett mit dir und mir, weils mir das Wert is.
Und weil es ist, wie es ist und weil es war, wie es war,
und schließlich kommt, wie es kommt, ist alles wahr, rein und klar.
Ihr und ich bleiben weit mehr, als rechts, links, dunkel und hell,
denn wir sind alle echt schöne Kinder, und so speziell…
(Olli Banjo)





